Geschichte

10. Jahrhundert


Siegel Heinrichs I.

Im damals noch ostfränkischen Reich starb 911 mit Ludwig dem Kind die ostfränkische Linie der Karolinger aus. Da man keinen König aus dem westfränkischen Reich wollte, kam im gleichen Jahr mit Konrad I. von Franken ein Kompromisskandidat auf den Thron. Nach dessen Tod im Jahre 918 verstand es sich von selbst, dass nur der mächtigste Stammesherzog die Zentralgewalt würde sichern können - und das war kein anderer als der Sachsenherzog Heinrich der Vogler. Im Jahr 919 wurde Heinrich I. von Sachsen zum deutschen König gewählt und das ostfränkische Reich erstmals das "der Deutschen" genannt.

Bis 927 setzte sich der König im ganzen Reich durch zähe Überzeugungsarbeit und manche Kämpfe durch und schuf so einen inneren Frieden. Den brauchte er auch für seine nun folgende Expansionspolitik nach Osten. In den Jahren 928/29 besiegte Heinrich die slawischen Heveller in Brandenburg und die slawischen Daleminzier in der Feste Gana. Nun ließ er 929/30 einen dicht bewaldeten Berg an der Elbe roden und aus dem Holz dort eine Burg erbauen, die nach dem in der Nähe vorbei fließenden Bach Misa den Namen "Misni" erhielt. Diese deutsche Reichsburg Meißen war der Grundstein für die meißnisch-sächsische Landesgeschichte.
Rekonstruktionsversuch der ersten Bebauung des Burgberges
Im Jahr 932 zwang König Heinrich I. auch noch die Lausitzer unter seine Herrschaft. Damit standen alle sorbisch besiedelten Gebiete unter deutscher Militärverwaltung. Sie waren Teil eines Markengürtels geworden, der sich vor der Ostgrenze des Reiches erstreckte. Markgrafen regierten hier an Stelle und im Auftrag des Königs.

In Merseburg, Zeitz und Meißen waren 968 Markgrafen eingesetzt, aber nur Meißen wurde zum bleibenden Mittelpunkt einer Markgrafschaft. Im selben Jahr wurden unter Kaiser Otto I., dem Sohn König Heinrichs, das Erzbistum Magdeburg und die ihm unterstellten Bistümer Merseburg, Zeitz und Meißen gegründet.


Turm am Beispiel der Königspfalz Tilleda
Im Laufe des 10. Jahrhunderts wurde das eroberte Sorbenland in Burgwardsbezirke gegliedert, von denen jeder eine Burganlage als verwaltungstechnischen, militärischen und geistlichen Mittelpunkt hatte. Im 10. und 11. Jahrhundert existierten östlich der Saale bis hin zur Oberlausitz etwa fünzig solcher Burgwarde, alle in offenen Landschaften.

Im Jahr 985 wurde der mächtige Markgraf Ekkehard I. Herr über die Markgrafschaft Meißen. Er schaffte es, den Herzog von Böhmen zu seinem unmittelbaren Vasallen zu machen.
Königspfalz Tilleda
Außerdem stellte er ein gutes Verhältnis mit Polen her, indem er seinen Bruder mit einer Schwester und seinen Sohn mit einer Tochter des Polenherzogs Bolesław Chrobry verheiratete.

Text: rj

11. Jahrhundert

Ekkehard I. wurde 1002 ermordet; der polnische Herzog Bolesław bemächtigte sich der Burg Meißen. In den folgenden Jahren wogten die Kämpfe hin und her. Als 1029 die Auseinandersetzungen zwischen Polen und Deutschen erneut auflebten und ein deutscher Erfolg zu verzeichnen war, brachte der Friede von Bautzen 1031 das Lausitzer Land wieder fest in den Markenverband zurück. Damit kehrte zunächst Frieden ein.


Bei Ausgrabungen gefundener Bohlenweg aus dem 11. Jhd. auf dem Meißner Burgberg

Rekonstruktion der Siedlung auf dem Burgberg

Im Jahr 1046 taucht zum ersten Male ausdrücklich die Bezeichnung "marchia Misnensis", Mark Meißen, in den schriftlichen Quellen auf. Diese Mark wuchs nun allmählich in den engeren Zusammenhang des deutschen Reiches hinein. Trotz hundert Jahren deutscher Herrschaft hatte sich an der Eigenart von Land und Leuten kaum etwas geändert. Es waren noch immer überwiegend von Sorben bevölkerte Landschaften, in unermeßliche und unerschlossene Waldflächen eingebettet.
Wiprecht von Groitzsch
Seit 985 hatten die Ekkehardinger das meißnische Markgrafenamt inne. Als sie 1046 ausstarben, folgten ihnen als Regenten zunächst Markgrafen aus dem Hause Weimar-Orlamünde und ab 1067 die Braunschweiger Brunonen. Da sich die Brunonen aber im Investiturstreit gegen den König stellten, erhielt 1089 der Wettiner Heinrich von Eilenburg die Mark Meißen. Von nun an sollte das Land fast ununterbrochen im Besitz der Wettiner bleiben. Als 1075 der Streit zwischen König Heinrich IV. und den sächsischen Großen eskalierte, stand der Meißner Markgraf Ekbert an führender Stelle bei den Gegnern des Königs.

Die Schlacht bei Homburg an der Unstrut, die am 9. Juni 1075 stattfand, war eine der blutigsten des Mittelalters. Achttausend Sachsen und Thüringer sowie eintausendfünfhundert Ritter und Knechte des königlichen Heeres ließen auf dem Schlachtfeld ihr Leben. Aus jenen unruhevollen Zeiten ragt der Name des Grafen Wiprecht von Groitzsch hervor. Im Gegensatz zu den meisten anderen Großen des Reiches hielt er zum König und gründete 1096 das erste Kloster östlich der Saale, des Benediktinerkloster zu Pegau.

Text: rj


Rekonstruktionsversuch Siedlung und Burg

12. Jahrhundert

Wiprecht von Groitzsch war um 1100 für den meißnisch-sächsischen Raum eine bedeutende Persönlichkeit. Burg und Grafschaft Groitzsch hatte er als Allodialbesitz, also zu vollem Eigentum. Er unterhielt ein gutes Verhältnis zu Wratislaw von Böhmen und heiratete dessen Tochter Judith, die ihm die Landschaft Milska um Bautzen und den Gau Nisan um Dresden einbrachte. Vom deutschen König erhielt er außerdem die Burgen Leisnig und Colditz und nahm von geistlichen Fürsten größere Güter im thüringischen Raum als Lehen. Um 1105 siedelte Wiprecht mainfränkische Bauern bei Lausick an, die den Wald rodeten und eine Menge neuer Dörfer errichteten.


Siegel Konrads des Großen
Als 1123 Heinrich II. der Jüngere, Markgraf von Meißen und Lausitz und Graf von Eilenburg, kinderlos starb, wurden die Marken Graf Wiprecht übertragen. Er konnte diesen Herrschaftsanspruch allerdings nicht durchsetzen. Konrad I. von Wettin, der Cousin Heinrich II., beanspruchte die Markgrafschaft Meißen für sich. Er verband sich mit dem Sachsenherzog Lothar von Süpplingenburg, der gegen Kaiser Heinrich V. rebellierte. So gewann Konrad 1123 die Mark Meißen für sich. Die Grafschaft Eilenburg hingegen fiel an den Askanier Albrecht von Ballenstedt, der als Albrecht der Bär in die Geschichte einging. Nach Wiprechts Tod 1124 erhielt Albrecht der Bär auch noch die Mark Lausitz, gab aber Eilenburg an Konrad von Wettin zurück.

Im darauf folgenden Jahr starb Kaiser Heinrich V. kinderlos. Die deutschen Fürsten, angeführt geistlichen Oberhäuptern, wählten Herzog Lothar von Süpplingenburg als Lothar III. zum König. Konrad hatte auf den richtigen Mann gesetzt. 1135 starb das Haus Groitzsch dann endgültig aus, und die Wettiner erbten große Teile des Groitzscher Besitzes.

Konrad I., bereits Graf von Wettin, Brehna, Eilenburg und Camburg sowie Markgraf von Meißen, erhielt 1136 auch noch die Mark Lausitz und den Gau Nisan. Zu all dem noch gelangte er 1143 in den Besitz der Grafschaften Groitzsch und Rochlitz und wurde Vogt des Reichsklosters Chemnitz. Außerdem wurde er 1148 Vogt des Kloster Gerbstedts und Domvogt von Naumburg. Zusammen mit seinem Bruder Dedo stiftete Konrad 1124 das Augustinerchorherrenstift auf dem Petersberg bei Halle. Eine solche Machtfülle brachte Konrad I. von Wettin den Beinamen "der Große" ein. Als solcher führt er den berühmten Fürstenzug in Dresden an. Im Jahr 1156 entsagte er der weltllichen Macht, vererbte seine umfangreichen Besitzungen an seine Nachkommen und trat als Laienbruder in das Stift auf dem Petersberg ein, wo er kurz darauf starb.


Karte der Ausbreitung der Mark Meißen im 12. Jahrhundert (modifiziert nach K. Blaschke)


Standbild Ottos in Freiberg
Sein Sohn Otto, den man später "den Reichen" nennen sollte, war nun von 1156 bis 1190 Markgraf von Meißen. In seiner Regierungszeit ließ er Siedler in großer Zahl werben und förderte so den Landesausbau im heutigen sächsischen Raum. Was die deutschen Könige, Herzöge, Markgrafen und Ritter mit der Eroberung des Sorbenlandes begonnen hatte, setzten deutsche Bauern vor allem zwischen 1150 und 1250 mit friedlichen Mitteln fort - mit ihrer Hände Arbeit. Vom Nordwesten kamen Sachsen und Flamen ins Land, vom Westen Thüringer und vom Südwesten Franken. Die Frage, wie viele Menschen in unser Land im Laufe der Zeit einwanderten, läßt sich nur ungefähr abschätzen. Man kann mit einiger Sicherheit annehmen, dass um 1300 etwa vierhunderttausend Menschen im meißnisch-sächsischen Raum lebten. Das bedeutet, dass sich von 1100 bis 1300 die Zahl der Einwohner verzehnfachte, denn um 1100 lebten nur etwa vierzigtausend Sorben in den alten Offenlandschaften. Um 1300 liegt der Anteil der Sorben bei etwa achzigtausend und der der Deutschen bei dreihundertzwanzigtausend Siedlern.


Rekonstruktionsversuch der Bebauung des Burgberges von Meißen mit dem ersten romanischen Dom

Zwischen 1150 und 1250 wurden weite Teile des Landes gerodet und so neues Ackerland geschaffen. Das Holz verwendete man zum Bau neuer Dörfer und Kirchen. Die Zahl der Dörfer stieg in jener Zeit auf etwa viertausend an; zugleich entstanden die wichtigsten Städte. Die Herrschaftsgebiete des Adels wuchsen durch die Rodungstätigkeit der Bauern beträchtlich. Um die teilweise recht schwierigen Böden der Rodungsflächen als Ackerland nutzen zu können, waren landwirtschaftliche Neuerung nötig, die die Siedler mit ins Land brachten. Der schwere eiserne Räderpflug mit Schar und Streichbrett, gezogen von Pferden anstatt von Ochsen, machte die Nutzung lehmiger Böden erst möglich. Die Einführung der Dreifelderwirtschaft für Sommergetreide, Wintergetreide und Brachland als Weidefläche für das Vieh führte zu einer beträchtlichen Steigerung landwirtschaftlicher Erträge. Das war eine zwingende Voraussetzung dafür, auch die ständig wachsende Stadtbevölkerung mitzuversorgen.


Siegel Ottos des Reichen

Markgraf Otto war mit Hedwig von Ballenstedt verheiratet, der Tochter Albrechts des Bären, des Markgrafen von Brandenburg. Er gründete 1162 das Kloster Altzella und förderte das Städtewesen. Um 1168 wurden in einem der neuen Siedlungsdörfer, in Christiansdorf, reiche Silbererzvorkommen entdeckt. Otto verkündet das „freie Bergrecht", um kundige Bergleute und Schmelzer ins Land zu holen. Rasch wuchs aus dem entlegenen Weiler Christiansdorf eine Stadt – Freiberg. Der Silberbergbau trug dem Markgrafen den Beinamen „der Reiche" ein. Von dem Ertrag der Erzgruben konnte er auch Weißenfels und andere Güter in Thüringen käuflich zu erwerben.
Grabplatten Ottos und Hedwigs in Altzella
Als Otto 1190 starb, wurde er in Altzella beigesetzt. Sein ältester Sohn Albrecht der Stolze wurde Markgraf von Meißen, der jüngere Dietrich der Bedrängte Graf von Weißenfels. Albrecht führte immer wieder bewaffnete Auseinandersetzungen mit seinem Bruder, mit den Böhmen, mit Bischöfen und anderen bedeutenden Personen. Als er 1195 starb, war vermutlich Gift im Spiel. Der Tod Albrechts kam Kaiser Heinrich VI. sehr gelegen. Er zog die meißnische Mark als "erledigtes Lehen" ein, um seine eigene Macht zu steigern. Dietrich der Bedrängte ging zunächst leer aus und blieb Graf von Weißenfels.

Doch 1197 starb auch Kaiser Heinrich VI. In den Wirren des Streites um den deutschen Thron kehrte Dietrich aus dem Heiligen Land zurück, wo er am Dritten und auch am Deutschen Kreuzzug teilgenommen hatte, und eroberte die Mark Meißen im Handstreich. Die Doppelwahl von 1198 – von verschiedenen Gruppen und an verschiedenen Orten werden sowohl der Staufer Philipp von Schwaben als auch sein Gegenspieler, der Welfe Otto IV. von Braunschweig, zum König gewählt – führte zu jahrelangen Streitigkeiten um den Thron. Dietrich stellt sich von Anfang an auf die Seite Philipps und wird von ihm offiziell als Markgraf von Meißen bestätigt.

Text: rj

13. Jahrhundert


Grabplatten Albrechts und Dietrichs in Altzella

Nach dem Tod Philipps im Jahre 1208 erkannte Markgraf Dietrich Otto IV. von Braunschweig als König an. Im Jahr 1210 wurde Dietrich mit den Marken Lausitz und Landsberg belehnt, außerdem mit den Grafschaften Eilenburg und Groitzsch. 1212 wechselte er auf die Seite des Staufers Friedrich II., der seinen Besitzstand voll anerkannte. Verheiratet war Dietrich seit etwa 1194 mit Jutta von Thüringen, der Tochter des Landgrafen Hermann I. von Thüringen.


Siegel Dietrichs des Bedrängten

Markgraf Dietrich widmete sich dem Ausbau seines Besitzes, er förderte wie bereits sein Vater das Aufblühen der Städte und straffte die Landesverwaltung durch Einsetzen von Vögten. Er brachte die Reichsstadt Zwickau in seinen Besitz und schlug die Freiheitsbestrebungen der Leipziger Bürger zurück. Auch in Dresden unterzeichnet er bereits 1216 Urkunden mit "in civitate nostra Dreseden" - in unserer Stadt Dresden. Dietrich der Bedrängte legte durch sein umsichtiges Handeln den Grundstein für einen künftigen Aufstieg zum meißnisch-sächsischen Territorialstaat. Als er 1221 starb, hinterließ er seine Gemahlin Jutta und den gerade erst dreijährigen Nachfolger Heinrich, der später unter dem namen „der Erlauchte" in die Geschichte eingehen sollte.

Heinrich stand zunächst unter der Vormundschaft seiner Mutter Jutta und seines Onkels Landgraf Ludwig IV. von Thüringen. Landgraf Ludwig versuchte, die Situation auszunutzen und die Markgrafschaft Meißen für sich zu beanspruchen. Das bedeutete Krieg gegen die eigene Schwester Jutta von Thüringen. Bei diesem Konflikt wurde unter anderem die Burg Rochlitz 1223 von Landgraf Ludwig IV. belagert und erobert. Jutta konnte aber die Mark für ihren Sohn bewahren, der 1230 offiziell die Regentschaft antrat. Er nahm 1233 das Kreuz und beteiligte sich 1237 an einem Kreuzzug gegen die Preußen teil. Im brandenburgischen Raum versuchte er Fuß zu fassen, stieß bis auf Strausberg vor, musste aber letztlich vor den Askaniern zurückweichen.


Siegel Heinrichs des Erlauchten

Heinrich war dreimal verheiratet: zuerst mit Konstanze, einer Tochter Herzog Leopolds VI. von Österreich, später mit Agnes, Tochter König Wenzels I. von Böhmen, und nach deren Tod mit Elisabeth von Maltitz, die einem Ministerialengeschlecht entstammte. Er hatte erbittert mit dem österreichischen Herzog gestritten, der ihn in der Hochzeitsnacht 1234 unter demütigenden Umständen gezwungen hatte, auf die Mitgift Konstanzes zu verzichten. Sein gutes Verhältnis zu Kaiser Friedrich II. brachte ihm 1243 die Eventualbelehnung mit der Landgrafschaft Thüringen ein, die beim Aussterben der Ludowinger 1247 wirksam wurde. Allerdings konnte er sich dort erst 1264 im Ergebnis des Thüringer Erbfolgekrieges endgültig durchsetzen. 1246 war er Erbprätendent für Österreich, scheiterte aber am Kaiser. Die Verlobung seines Sohnes Albrecht mit der Kaisertochter Margarete verschaffte Heinrich dem Erlauchten 1252 den Pfandbesitz über das Pleißenland.

Zwischen 1247 und 1263 mußte er sein Erbrecht auf Thüringen mit dem Schwert gegen Sophie von Brabant, Tochter Ludwigs IV. von Thüringen, Siegfried von Anhalt, Enkel Hermanns I. von Thüringen, und seinen Henneberger Halbbruder Hermann behaupten, wobei es zu verheerenden Kriegen kam. Nach dem am 27. Oktober 1263 bei Besenstedt unweit Wettins errungenen Sieg über Sophies Schwiegersohn Albrecht von Braunschweig verzichtete der Letztere endgültig auf Thüringen und die Pfalzgrafschaft Sachsen. Heinrich der Erlauchte hatte sich als Landgraf von Thüringen endgültig durchgesetzt, wobei er Hessen im Vertrag von Langsdorf seinem Brabanter Neffen Heinrich abtrat.


Heinrich der Erlauchte im Codex Manesse

Nun war Heinrich Markgraf von Meißen, Lausitz und Landsberg, Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen und Pfandherr des Pleißenlandes - ein Höhepunkt Wettinischer Machterfaltung in Mitteldeutschland. Seine Landesherrschaft festigte er durch Stärkung des Hofgerichts, Ausbau der Kanzlei und Maßnahmen gegen die Bischöfe von Meißen und Naumburg. Durch die Fehden gegen die Bischöfe war er zeitweise exkommuniziert und förderte als Sühne den Dombau von Meißen. Seit 1273 war er eine wichtige Stütze von König Rudolf I. von Habsburg, gewann gegen Böhmen unter anderem Sayda und Purschenstein. Er sorgte für eine hervorragende Verwaltung und war im ganzen Reich als glanzvoller Fürst, Förderer der Künste und des Ritterwesens und als bedeutender Minnesänger, Dichter und Komponist bekannt, was ihm auch den Beinahmen "der Erlauchte" einbrachte. Er führte viele Turniere und Sängerwettstreite durch, nahm selbst daran teil und regte die berühmte "Reimchronik" an.


Ältestes Meißner Stadtwappen mit den Wappen sowohl des Mark- als auch des Burggrafen

In seinem ausgedehnten Herrschaftsbereich zwischen Werra und Oder beschränkte er sich seit 1265 auf die Mark Meißen sowie eine formale Oberleitung und überließ den übrigen Besitz seinen Söhnen Albrecht und Dietrich. Damit machte er allerdings vieles wieder zunichte, was er aufgebaut hatte, und wurde in die verheerenden Kriege seiner Söhne hineingezogen. Sein Sohn Friedrich Clemme (1273 - 1316) aus dritter Ehe wurde 1288 Stadtherr von Dresden und nannte sich Herr zu Dresden.

Markgraf Heinrich der Erlauchte, der in seinen letzten Lebensjahren fast ausschließlich in Dresden weilte und die Stadt in mannigfacher Weise förderte und bevorzugte, starb im Jahre 1288. Sein Sohn und Nachfolger Albrecht der Entartete sollte bald einen Großteil des Erbes verspielt und verpfändet haben; seine Unfähigkeit und die Bestrebungen der Könige Adolf von Nassau und Albrecht von Habsburg um ein mitteldeutsches Königsland führten beinahe zur völligen Entmachtung des Hauses Wettin, bis Anfang des 14. Jahrhunderts der Enkel Heinrich des Erlauchten, Friedrich der Freidige, Stück um Stück vom einstigen Besitz seines Großvaters zurückeroberte.

Text: rj

Die Entstehung Dresdens

Der Ursprung Dresdens geht nicht auf ein slawisches Fischerdorf zurück! Unstrittig ist, dass der Gau Nisan (die Elbtalniederung) von slawischen Siedlern bewohnt war, doch alle im Hochmittelalter entstandenen Städte des deutschen Reiches hatten ihren Ursprung in Burgen, Klöstern und Kaufmannssiedlungen. Um 1100 gründeten deutsche Kaufleute südwestlich der hölzernen Gaukirche (der Frauenkirche) am wichtigsten Verkehrsknotenpunkt im Elbtal eine Kaufmannssiedlung mit Markt und Nikolaikirche (der heutigen Kreuzkirche). Das war der Beginn der heutigen Stadt Dresden im Gau Nisan.

Dörfliche Siedlungsform um 1200, hier am Beispiel des Museumsdorfes Düppel

Nach 1144 kam diese Gegend langsam in den Einflussbereich des Markgrafen von Meißen, der hier wahrscheinlich eine erste Curie (einen Herrenhof) im heutigen Taschenberg-(Schloß)-bereich errichtete. Es ist allerdings auch möglich, dass diese Curie zunächst auf den Burggrafen von Dohna zurückzuführen ist. Zwischen 1170 und 1180 setzte nun ein wahrer Bauboom ein. Die Kaufmannsgemeinde gab den Bau der ersten steinernen Elbbrücke in Auftrag und von planerischer Hand wurde (vermutlich im Auftrag des deutschen Königs und Kaisers) die Kaufmannssiedlung zur 600 Häuser umfassenden Stadt erweitert. Auch die Anfänge der Stadtmauer konnten auf 1170/80 datiert werden. Der Burggraf von Dohna hatte von 1150 an die Machtbefugnisse und die hohe Gerichtsbarkeit über den Gau Nisan mit dem Ort Dresden in seiner Hand und war damit einer der schärfsten Konkurrenten des Markgrafen von Meißen.

Man kann davon ausgehen, dass 1206 bereits viele Häuser soweit standen, aber der Bau von Elbbrücke und Stadtmauer war noch im vollen Gange. Ebenso wird die Verleihung des Stadtrechtes noch im 12. Jh. geschehen sein, doch leider gibt es darüber keine Urkunden mehr. Ein Streit zwischen dem Bischof von Meißen (Dietrich von Kittlitz) und dem Burggrafen Heinrich von Dohna, um die Burg „Thorun“, sollte durch Markgraf Dietrich von Meißen geschlichtet werden. Dieser berief daraufhin eine Schiedskommission zu Dresden ein, die über den Streit zu urteilen hatte.


Der Burgwartsberg bei Pesterwitz auf dem die Burg Thorun errichtet wurde

Der Burggraf hatte bei Pesterwitz die besagte Burg Thorun errichten lassen. Der Bischof von Meißen hatte dagegen interveniert und den Abriss der Burg gefordert, da sie angeblich auf seinem Land erbaut worden sei. Tatsächlich bezeugten dann die meisten Geschworenen im Prozess, dass Thorun auf dem Land der Meißener Kirche erbaut worden war.
Ersterwähnungsurkunde
Der Markgraf urteilte, dass diese Burg zu schleifen sei und niemals wieder errichtet werden darf. Dieses Urteil wurde in einer Urkunde niedergeschrieben, in der Dresden als Versammlungsort erscheint – die Ersterwähnungsurkunde von Dresden (31.März 1206). Leider wird in dieser Urkunde nichts über den Status Dresdens als Stadt geschrieben. Der erste noch vorhandene schriftliche Beweis für die Stadtwerdung, ist die Urkunde aus dem Jahr 1216, in der Markgraf Dietrich Dresden als civitas also Stadt bezeichnet, außerdem befindet sich Dresden nun auch in seinem Besitz.


Wappen Dresdens anno 1309

Dresden als Name geht auf die Formen Drezd’ane oder Drezd’ene zurück, wobei das [z] immer als [sch] gesprochen wird. Dieses Wort setzt sich aus den Wörtern drezga (Wald, Dickicht) und jane (Bewohner, Gruppe von Menschen) zusammen. Die Form Drazdany bzw. Drazdzany entspricht der tschechischen Namensform, die dem heute gültigen Sorbisch entlehnt ist. Dresden bedeutet damit nichts anderes als Ort der Waldbewohner.

Text: rj

Quellen

Bildatlas zur deutschen Geschichte, Neuer Honos Verlag
Bilder-Atlas zur sächsischen Geschichte, Wolfgang Weidlich
Geschichte Sachsens im Mittelalter, Karlheinz Blaschke
Geschichte der Stadt Dresden, Band 1, Karlheinz Blaschke
Der Burgberg Meißen, Schriften des Landesamtes für Archäologie Dresden
KLosterpark Altzella, Heinrich Magirius, Edition Leipzig
Dresdner Hefte (65), Dresden im Mittelalter, Dresdner Geschichtsverein e.V.
Genealogie der Wettiner, www.genealogie-mittelalter.de